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© Hanna von Versen

Walderholungswert – Was beeinflusst Waldbesucher bei der Wahl ihres Erholungsorts?


Wälder erbringen für den Menschen viele verschiedene Leistungen. Diese sogenannten Waldökosystemleistungen spielen in der forstlichen Planung eine immer größere Rolle. Im Projekt WiWaldI untersuchen wir im Teilprojekt der TU München sowohl den Einfluss von Wild auf das Ökosystem Wald, als auch die Leistung des Ökosystems Wald für den Menschen und Wechselwirkungen zwischen beiden Aspekten. Wir wollen also herausfinden, ob sich die Bereitstellung der Ökosystemleistungen der Wälder durch den Einfluss des Wildes verändert.

Manche Leistungen, wie etwa Holzproduktion, Schutz vor Naturgefahren oder Speicherung von Kohlenstoff lassen sich gut quantifizieren. Darüber hinaus ist der Wald auch ein Ort für Erholungssuchende und Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Diese Leistungen des Waldes sind schwieriger zu erfassen und in Zahlen auszudrücken. Wollen wir die Sichtbarkeit und Wertschätzung für diese Leistungen erhöhen und so nachhaltig ihre langfristige Bereitstellung sicherstellen, ist es allerdings wichtig, deren aktuelle und potentielle zukünftige Werte zu bestimmen.

Ziel einer Umfrage innerhalb des Projekts WiWaldI ist es deshalb, Wertschätzung und Präferenzen für die Erholung im Wald zu erfassen. Mithilfe eines klassischen Fragebogens und einem sogenannten Entscheidungsexperiment wollen wir verstehen, welche Präferenzen und Einstellungen Menschen dem Wald als Erholungsort entgegenbringen und welche Waldeigenschaften dabei besonders geschätzt werden. Beispielhaft ist im Folgenden eine Fragekarte des Entscheidungsexperiments gezeigt, die im Zuge einer Online-Umfrage dargestellt wird. Befragte sollen hier zwischen zwei verschiedenen Waldtypen wählen.

Ökosystemleistungen sind Leistungen, die Wälder erbringen von denen wir als Menschen profitieren. Das kann die Produktion von Sauerstoff und Grundwasser sein, oder auch der Erholungsraum, den der Wald uns bietet.

Welchen Wald wollen Sie bei Ihrem nächsten Waldbesuch lieber aufsuchen?

Aus den Antworten der Befragten lassen sich dann Reisebereitschaft und Präferenzen für Waldstrukturen ableiten.

Mit unserem Experiment wollen wir folgende Frage beantworten: Was beeinflusst Waldbesucher bei der Wahl ihres Erholungsorts? Zum Beispiel interessiert uns, ob Menschen die Erreichbarkeit von Wäldern gegen deren Vielfalt oder Ästhetik abwägen. Wir wollen dabei sowohl Menschen befragen, die häufig Wälder aufsuchen, als auch seltene Waldbesucher und auch erfahren, warum Menschen sich im Wald aufhalten: zum Beispiel zum Hund ausführen, Radfahren, Spazierengehen oder einfach nur um in der Natur sein. In ersten Fokusgruppengesprächen hat sich dabei bereits gezeigt, dass Menschen strukturreichere Wälder mit häufiger wechselnder Bestandesabfolge gegenüber homogeneren Wäldern bevorzugen. Auch die Abfolge der Abwechslung spielt dabei eine gewisse Rolle. Neben dem Aufbau der Wälder werden aber auch weitere Kriterien bei der Ortsauswahl berücksichtigt. Je nach Aktivität im Wald gibt es beispielsweise verschiedene Ansprüche an die Wegegestaltung oder die Möglichkeiten des Wegenetzes. 

Sind wir bereit, Förderprogramme für verbesserte Walderholung zu unterstützen?

Neben der Abfrage von Präferenzen für verschiedene Waldbilder, möchten wir auch die Bereitschaft abfragen, Geld in einen hypothetischen Waldfond einzuzahlen. Dieser Waldfond soll dann für Förderprogramme aufkommen, die Wälder im Sinne einer der abgefragten Präferenzen umzugestalten. Wälder stehen allen Bürgerinnen und Bürgern gratis für die Erholungsnutzung zur Verfügung. Die Bereitstellung dieses Angebots ist jedoch nicht kostenlos: Das Wegenetz muss unterhalten werden, das Risiko z.B. durch herabfallende Äste muss minimiert werden und die Wälder müssen gesund und widerstandsfähig sein. Wir möchten mit dieser Frage nach der potentiellen Zahlungsbereitschaft die Wertschätzung der Bürgerinnen und Bürger für die Erholung im Wald erfassen.

Welche Rolle spielt das Wild?

Im Projekt WiWaldI möchten wir unsere Ergebnisse nutzen, um die ökonomische Relevanz verschiedener Ökosystemleistungen aufzuzeigen. Darüber hinaus können wir Einblicke geben, wie sich verschiedene Waldbilder auf das Empfinden der Besucher auswirken. In einem weiteren Schritt des Projekts möchten wir die Arbeitspakete der Technischen Universität München im Verbundprojekt zusammenführen: Wir untersuchen im Teilprojekt der TU München sowohl den Einfluss von Wild auf das Ökosystem Wald, als auch die Leistung des Ökosystems Wald auf den Menschen und Wechselwirkungen zwischen beiden Aspekten. Mit Hilfe einer Abschätzung des Wildeinflusses auf präferierte Waldzusammensetzungen und Waldstrukturen ließe sich dann sagen, wie Wild die Erholungsleistung des Waldes beeinflusst.

Text: Isabelle Jarisch, Kai Bödeker, Thomas Knoke | Teilprojekt 4: Einfluss von Wildverbiss auf Ökosystemleistungen und Waldstabilität (TU München)