Unterwegs mit RehSi und den Kameras

die TU Dresden im Dickungs- & Sichtschutzbereich

Das Team der TU Dresden war einen ganzen Sommer lang unterwegs auf 248 Vergleichsflächenpaaren, um Gehölzstrukturen und Verjüngungszustände zu erfassen. Auf einigen Flächen haben wir zusätzlich Wildkameras versteckt, um Einblicke zu erhalten, welche Wildarten sich wann und wie oft auf unseren Untersuchungsflächen einfinden und was sie dann tun. 

RehSi steht für „Rehwildsilhouette“ und ist eine aus Holz ausgesägte Form von Ricke und Kitz in Originalgröße, mit Hilfe derer untersucht werden soll, welche Deckung die sich entwickelnde Vegetation für Rehwild (adult und Kitz) bietet.

Um den Einfluss des Wildes auf die Waldverjüngung greifbar zu machen, haben wir uns die jungen Bäume direkt im Wald angeschaut. An festgelegten Punkten wurden kleine Probeflächen angelegt, auf denen alle jungen Pflanzen bis etwa Brusthöhe erfasst wurden. Dabei haben wir notiert, welche Baumarten vorkommen, wie groß sie sind und ob sie Verbiss, Fegen oder andere Wildschäden zeigen. So lässt sich gut erkennen, welche Arten sich durchsetzen können – und welche vom Wild besonders gern gefressen werden. Ergänzend dazu wurde die Vegetationsstruktur rund um die Probeflächen bewertet, also wie dicht oder offen der Jungwuchs ist. Seit 2018 übermittelt Rehsi Daten zur Sichtschutzentwicklung der Gehölze auf den Untersuchungsflächen. Diese Kombination aus Zählen, Einordnen und Beobachten liefert ein realistisches Bild davon, wie sich der Wald unter dem Einfluss des Wildes entwickelt – ganz ohne große Technik, aber mit viel Aussagekraft aus der Praxis.

Zur Ergänzung der Vegetationsaufnahmen wurden Wildkameras eingesetzt, um das Vorkommen und Verhalten des Wildes im Untersuchungsgebiet besser zu erfassen. Sie ermöglichten insbesondere Einblicke in frühe Pflanzenentwicklungsstadien wie Saatgut und Keimlinge, die mit klassischen Aufnahmemethoden nur eingeschränkt erfasst werden können. Auf diese Weise ließ sich der tatsächliche Einfluss des Wildes auf die Waldverjüngung besser beurteilen und mit dem vorhandenen Vegetationspotenzial abgleichen.

Hier warte ich [Claudia Jordan-Fragstein] eine der Wildkameras. Die Kameras liefern 365 Tage im Jahr 24h Daten.

Ergebnisse

Mit dem Oktantenverfahren erfassen wir systematisch, wie sich junge Bäume im Raum verteilen und wie häufig sie vorkommen. Über mehrere Jahre hinweg lassen sich dadurch Trends erkennen. Die bisherigen Auswertungen zeigen: Es gibt keine einheitliche Entwicklung, sondern deutliche regionale Unterschiede. In manchen Regionen schwanken die Werte stark, in anderen bleiben sie über Jahre hinweg stabil oder dauerhaft niedrig. Insgesamt nimmt die Zahl der erfassten Verjüngungspflanzen in vielen Gebieten ab – ein Effekt, der weniger auf akute Veränderungen zurückgeht, sondern vor allem damit zusammenhängt, dass Pflanzen aus der Erfassung „herauswachsen“, Flächen verloren gehen oder Konkurrenz zwischen den Pflanzen zunimmt

Die Ergebnisse aus dem Silhouettenverfahren zeigen, dass sich die Sichtschutzwirkung der Waldverjüngung deutlich zwischen Baumarten, Regionen und Jahren unterscheidet. Insgesamt ist von 2019 zu 2023 in vielen Gebieten eine Abnahme der Sichtschutzdeckung je Einzelpflanze zu beobachten. Diese Entwicklung hängt vor allem mit natürlicher Waldentwicklung, Konkurrenz in der Verjüngung und dem Entwachsen einzelner Pflanzen aus dem Erfassungsbereich zusammen. Besonders prägend sind die Baumarten Rotbuche, Weißtanne und Fichte welche durch ihre dichte Belaubung hohe Sichtschutzwerte erreichen, während Kiefer, Eiche oder Birke deutlich geringere Deckungsgrade aufweisen. Regionale Unterschiede sind klar erkennbar, ein eindeutiger Einfluss der Jagdvarianten auf die Sichtschutzdeckung lässt sich hingegen nicht ableiten.

Wissentransfer

Zur Förderung eines transparenten und praxisnahen Wissenstransfers werden ausgewählte Zwischenergebnisse regelmäßig vor Ort aufbereitet und interessierten Akteurinnen und Akteuren zugänglich gemacht. Diese Zwischenstände geben einen verständlichen Überblick über den aktuellen Projektfortschritt, erste beobachtete Trends sowie vorläufige Schlussfolgerungen.

Text: Claudia Jordan-Fragstein

Für alle, die mehr wissen wollen, geht es hier zu einer wissenschaftlichen Publikation von Claudia C. Jordan-Fragstein, Katharina Gungl, Dominik Seidel und Michael G. Müller über die im Rahmen der Projekte BioWild und WiWaldI durchgeführten Untersuchungen der Vegetationsentwicklung mittels Silhouettenverfahren, Oktantenverfahren und 3D-Scan. 

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