TU Dresden auf „heißer“ Spur

Drohnengestützte Thermalerfassung von Wildvorkommen und Wildeinflussnahme

Das Team der TU Dresden hat im Verbundprojekt WiWaldI modernste Drohnentechnik mit Wärmebildsensoren eingesetzt, um dem Schalenwild sprichwörtlich auf die Spur zu kommen. Claudia Jordan-Fragstein (TUD) gibt Einblicke von einem ganz neuen Wald-Durchblick. 

Zwischen frühen Morgenstunden und zwei unterschiedlichen Waldbeständen haben wir aus der Luft erfasst und am Boden weiter untersucht. Besonders spannend war für uns wie stark Wild Vegetation und Naturverjüngung tatsächlich prägt.

Im Winter wurden die Befliegungen durchgeführt, wobei wir uns gezielt zur Sonnenaufgangszeit auf die Suche nach Schalenwildarten begaben. Dabei wird die von Tieren abgegebene Infrarotstrahlung detektiert und als Temperaturkontraste dargestellt, wodurch Wild – insbesondere bei niedrigen Umgebungstemperaturen und in den Morgenstunden – zuverlässig erkannt werden kann. Die Flüge erfolgten in engmaschigen, sich überlappenden Flugbahnen, um sicherzustellen, dass kein Wild übersehen wurde. Neben den Zielarten wurden auch Raubwild, Vögel und Hasen systematisch erfasst. Sämtliche Beobachtungen wurden während des Fluges dokumentiert und gezählt. Die erfassten Tiernachweise wurden anschließend kartographisch aufbereitet und mit GPS-Daten gespeichert.

Interessierten Besucherinnen und Besuchern zeigen wir gern wie Wilderfassung mit der Drohne funktioniertHier haben wir mit der Drohne ein Rehwild gefunden.Rotwild (männlich)Schwarzwild

Unsere Arbeit beschränkt sich dabei nicht auf Momentaufnahmen: Wir kombinieren standardisierte Vegetationsinventuren, Strukturaufnahmen und begleitendes Monitoring über mehrere Jahre hinweg. Genau dieser langfristige Blick erlaubt es uns, Veränderungen einzuordnen – und zu verstehen, welche Entwicklungen nur kurzfristige Schwankungen sind und wo sich echte Trends abzeichnen. So verbinden wir Feldarbeit, Technik und ökologische Fragestellungen zu einem Gesamtbild, das hilft, Wild-Wald-Beziehungen differenziert und datenbasiert zu bewerten.

Ergebnisse

Wir sehen deutliche Unterschiede in Artenzusammensetzung und Deckungsgraden der Vegetation zwischen Flächen mit und ohne Wildeinfluss. Hoher Wilddruck reduziert die Vielfalt der Krautschicht messbar und trifft Jungbäume besonders stark in der mittleren Höhenklasse. Dabei reagieren Baumarten unterschiedlich: Einige werden gezielt und wiederholt verbissen. 

Aus den Wildeinflussfaktoren haben wir einen Index abgeleitet und auf der Fläche nach Intensität abgebildet. 

Die Befliegungen mit Wärmebilddrohnen zeigten deutliche Unterschiede im Wildbestand der untersuchten Gebiete. Wo viele Rehe vorkamen, war auch der Schaden an jungen Bäumen deutlich höher. Besonders junge Pflanzen in mittlerer Höhe wurden häufig verbissen. In Gebieten mit geringer Wilddichte konnte sich die Waldverjüngung dagegen vielfältiger und ungestörter entwickeln. Die Ergebnisse zeigen, dass Drohnen ein anschauliches und praxisnahes Werkzeug sind, um Wildbestände und ihren Einfluss auf den Wald besser zu verstehen. Zudem deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass veränderter Wildeinfluss auch Insekten-Lebensräume beeinflusst. Erst Zeitreihen erlauben es, kurzfristige Schwankungen von stabilen Trends zu unterscheiden. Insgesamt zeigen unsere Daten, dass standortspezifische Strategien deutlich wirksamer sind als pauschale Maßnahmen und eine belastbare Grundlage für einen sachlichen Dialog schaffen.

Download Publikation