Forschungsreise des HAWK-Teams

Fotodokumentation der Vegetationsaufnahmen in sechs Bundesländern im Juli 2026

Vom 6. bis 30. Juli 2026 reisten Prof. Dr. Torsten Vor, Dr. Alexander Seliger und Jan Zäh vom WiWaldI-Team der HAWK für Vegetationsaufnahmen durch Deutschland. Ihre Mission: Wiederholungsaufnahmen der im Jahr 2024 eingerichteten Vergleichsflächenpaare, welche jeweils aus einem Zaun und einer ungezäunten Vergleichsfläche bestehen. 

Die drei Forscher arbeiten an der Fakultät für Ressourcenmanagement der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Prof. Dr. Tosten Vor ist dort Inhaber des Lehrstuhls für Waldbau urbaner Wälder und Waldbautechnik, Dr. Alexander Seliger und Jan Zäh sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl. 

Folgen Sie hier den drei Wissenschaftlern auf ihrer Forschungsreise.

Los geht es am 6. und 7. Juli 2026 in Sachsen-Anhalt, wo das Team den Eigenjagdbezirk Blausee und den Gemeinschaftlichen Jagdbezirk Ateritz II ansteuert.

Die Vergleichsflächenpaare bestehen jeweils aus einer gezäunten (Weisergatter) und einer ungezäunten Fläche, die von den Lichtverhältnissen her gleiche Bedigungen bieten. Einziger Unterschied: In der gezäunten Fläche sind Hirsche, Rehe und Wildschweine ausgesperrt. 

Auf diese Weise lässt sich feststellen, wie sich das Verhalten von Schalenwild auf die Vegetation auswirkt. Auf den Flächen zählen die Forscher alle jungen Bäume bis zu einer Wuchshöhe von 5 Metern, bestimmen sie und überprüfen sie auf Verbissmerkmale. All das wird dokumentiert.

Das Team lässt sich von regnerischem Wetter nicht abschrecken – Regen ist für Waldfans ja schließlich gutes Wetter, vor allem im Sommer! Hier nehmen Torsten Vor und Jan Zäh die Verjüngung innerhalb eines Zauns auf. Bewaffnet mit Regenschirm untersucht Alexander Seliger die Vegetation auf der ungezäunten Vergleichsfläche.

Am 7. Juli geht es weiter nach Thüringen, wo das Team für einen Tag Station macht.

Torsten Vor nimmt auf Flächen der Jagdgenossenschaft Vitzerod die Vegetation auf einer Zaunfläche nach einer Fichtenkalamität auf.

An diesem Vergleichsflächenpaar sieht man: Im Zaun wächst flächendeckend das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium), außerhalb des Zauns fehlt es überwiegend. Diese Pflanzenart wird gerne vom Schalenwild geäst und ist daher ein guter Indikator zur Einschätzung des Wildeinflusses auf die Waldvegetation.

Vom 13. bis 16. Juli 2026 machen die Forscher Halt in Nordrhein-Westfalen.

Hier steuern sie das Forstrevier Dreis-Hammerkopf, den Gemeinschaftlichen Jagdbezirk Düdinghausen und Flächen der Jagdgenossenschaft Fleckenberg an.

Im Sauerland derzeit ein typisches Bild: Kalamitätsflächen und verbliebene Fichtenbestände in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung. Der Borkenkäfer, gegen den sich die Fichte insbesondere in heißen und trockenen Phasen nicht mehr erfolgreich zur Wehr setzen kann, hat hier viele Flächen entwaldet. Die Wiederbewaldung stellt eine enorme waldbauliche Herausforderung dar.

Alexander Seliger erfasst hier die Vegetation auf einer Kalamitätsfläche. Die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) profitiert vom ausbleibenden Wildeinfluss im Zaun und ist ebenfalls eine gute Indikatorart, um den Einfluss von Schalenwild zu ermitteln. Torsten Vor und Jan Zäh vermessen die Höhen der einzelnen Bäume zentimetergenau. Daraus lassen sich Unterschiede im Höhenwachstum mit und ohne Wildeinfluss berechnen.

Nächstes Ziel vom 21. bis 23. Juli 2026: Schleswig-Holstein.

Im Buchenwald der Kreisforsten des Herzogtums Lauenburg dokumentieren Jan Zäh und Torsten Vor die Verjüngung im Zaun.

Auch Schnecken können lokal einen Einfluss auf die Vegetationsentwicklung nehmen: Hier knabbert eine an einer jungen Eibe (Taxus baccata). Da hilft dann auch kein Zaun!

Vom 27. bis 29. Juli 2026 steuert das Team seine vorletzte Etappe an: Baden Württemberg.

Im Schwarzwald bekommt das HAWK-Team Unterstützung von Steffi Heinrichs, einer Kollegin der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR). Gemeinsam erfassen die Forschenden die Waldvegetation und die Verjüngung in Königsfeld.

Torsten Vor und Alexander Seliger beraten sich bei der Bestimmung der Bodenvegetation im Zaun.

Bild unten: Die HAWK entwickelt im Rahmen des Projekts WiWaldI ein Vegetationsgutachten, das bundesweit zur Anwendung kommen kann. Hier wird es auf Praxistauglichkeit geprüft. Die Revierleiter Christian Ludowicy (links, Stadtwald Villingen-Schwenningen) und Simon Haas (rechts, Forstbetrieb Fürst zu Fürstenberg) testen das Verfahren und geben Feedback. Aus dem Süden der Republik gibt es schon mal einen Daumen hoch.

Foto: Jan Zäh

Letzte Station ist vom 29. bis 30. Juli 2026 das Saarland.

Im Stadtwald Schmelz dokumentieren Torsten Vor und Jan Zäh die Verjüngung in einem Mischbestand aus Buche und Eiche.

Bei einem der Vergleichsflächenpaare wird der Einfluss des Schalenwildes auf die Waldvegetation bereits nach zwei Jahren deutlich: Auf der ungezäunten Vergleichsfläche (Vordergrund) sind gerade mal vier Baumarten in der Strauchschicht zu finden, im wilddichten Zaun (Hintergrund) sind es 14 Baumarten!

Beim Praxisgespräch im Stadtwald Schmelz tauschen sich der WiWaldI-Pilotverantwortliche des Saarlands Gangolf Rammo (vorne links) und Revierleiter Simon Becker (hinten links) mit Torsten Vor (hinten rechts) und Alexander Seliger (vorne rechts) aus.